
X-Beine, O-Beine & Beinlängen bei Kindern
„Mein Kind hat X-Beine: ist das normal?“ Diese Frage höre ich in meiner Ordination sehr oft. Die Antwort: Meistens ja. Die Beinachse verändert sich im Laufe der kindlichen Entwicklung mehrfach. Säuglinge haben typischerweise O-Beine, mit etwa zwei bis drei Jahren entwickeln sich X-Beine, die sich bis zum Schulalter in der Regel von selbst korrigieren.
Doch nicht immer verläuft diese Entwicklung nach Plan. Wenn die Fehlstellung besonders ausgeprägt ist, nur eine Seite betrifft, nach dem sechsten Lebensjahr bestehen bleibt oder Schmerzen verursacht, sollte ein Kinderorthopäde die Beinachse beurteilen.
In meiner Wahlarztordination in Wien Döbling untersuche ich Achsfehlstellungen, Beinlängendifferenzen und Rotationsfehlstellungen bei Kindern jeden Alters. Ich nehme mir die Zeit, Ihnen als Eltern genau zu erklären, ob der Befund altersgerecht ist oder ob eine Behandlung sinnvoll ist und welche Optionen es gibt.
X-Beine (Genu valgum) und O-Beine (Genu varum) beim Kind
Im Laufe der Entwicklung vom Säugling zum Erwachsenen durchlaufen wir eine physiologische Beinachsentwicklung, was bedeutet, dass sich die Beinachse mehrfach verändert. Säuglinge haben typischerweise O-Beine, mit etwa zwei bis drei Jahren entwickeln sich X-Beine, die sich bis zum Schulalter in der Regel von selbst korrigieren.
Bei X-Beinen berühren sich die Knie im Stehen, während die Knöchel auseinanderbleiben. Zwischen etwa dem 3. und 5. Lebensjahr ist eine leichte X-Bein-Stellung häufig physiologisch und meist Teil der normalen Entwicklung. Bei O-Beinen stehen die Knie auseinander, obwohl die Knöchel sich berühren. Besonders bei Säuglingen und Kleinkindern ist dies häufig physiologisch und sollte sich im Alter von zwei bis drei Jahren begradigen.
Wann sollten X-Beine und O-Beine untersucht werden?
Eine kinderorthopädische Abklärung ist sinnvoll bei:
- Stark ausgeprägten X- oder O-Beinen
- Zunehmender oder einseitiger Fehlstellung
- Schmerzen in Knien, Füßen oder Hüften
- Schneller Ermüdung beim Gehen oder Sport
- Fehlender spontaner Korrektur ab dem Schulalter
- Fehlender spontaner Korrektur der O-Beine im Kleinkindalter. In seltenen Fällen können Stoffwechselerkrankungen oder Wachstumsstörungen dahinterstecken
Behandlung von X-Beinen und O-Beinen
Die Behandlung richtet sich nach Alter, Ursache und Ausprägung der Fehlstellung:
Beobachtung und Verlaufskontrollen: Bei den meisten Achsfehlstellungen im Kleinkindalter reichen regelmäßige Kontrollen, da sich die Beine von selbst korrigieren.
Physiotherapie und Achsentraining: Gezielte Übungen können die Muskulatur stärken und die Beinachse positiv beeinflussen.
Behandlung möglicher Ursachen: Liegt eine Grunderkrankung wie eine Stoffwechselstörung vor, wird diese gezielt behandelt.
Temporäre Epiphysiodese (Wachstumslenkung): Dabei wird das Wachstum gezielt gelenkt, sodass sich die Beinachse während des Wachstums schrittweise korrigiert. Bei Mädchen kann dies etwa ab einem Alter von 11 Jahren, bei Jungen ab etwa 13 Jahren durchgeführt werden. Es handelt sich um einen minimal-invasiven Eingriff, bei dem kleine Metallklammern oder Plättchen an der inneren Seite (beim X-Bein) oder an der äußeren Seite (beim O-Bein) des Kniegelenks angebracht werden, um das Wachstum der Gegenseite zu fördern. Sobald die Fehlstellung korrigiert ist, werden die Plättchen wieder entfernt.
Umstellungsosteotomie: Bei ausgeprägten Fehlstellungen nach Wachstumsabschluss kann eine operative Achskorrektur sinnvoll sein. Die HTO (Hohe Tibia-Osteotomie) korrigiert die Achse am Schienbein und kommt zum Einsatz, wenn die Fehlstellung hauptsächlich vom Schienbein ausgeht. Die DFO (Distale Femur-Osteotomie) korrigiert die Achse am Oberschenkelknochen, wenn die Fehlstellung überwiegend vom Oberschenkel ausgeht. Ob eine HTO oder DFO sinnvoll ist, analysiere ich anhand spezieller Ganzbein-Röntgenaufnahmen.
differenz der Beinlängen beim Kind
Eine Beinlängendifferenz ist im Kindesalter keine Seltenheit. Kleine Unterschiede sind häufig und harmlos. Größere Differenzen können jedoch zu Beschwerden, Fehlhaltung und Fehlbelastung führen. Der Körper versucht, die unterschiedliche Beinlänge auszugleichen- Dadurch kann es zu einem Beckenschiefstand, einer veränderten Körperhaltung oder einem auffälligen Gangbild kommen. Langfristig können auch Knie-, Hüft- oder Rückenschmerzen entstehen.
Mögliche Beschwerden: Hinken, asymmetrisches Gangbild, Beckenschiefstand, Rückenschmerzen, Knie- oder Hüftbeschwerden sowie rasche Ermüdung beim Gehen oder Sport.
Ursachen: Beinlängendifferenzen können angeboren sein oder im Laufe des Wachstums entstehen, etwa durch Wachstumsstörungen, angeborene Fehlbildungen, Verletzungen oder Knochenbrüche, neurologische Erkrankungen oder frühere Operationen.
Diagnose: In der kinderorthopädischen Untersuchung beurteile ich Haltung, Gangbild, Beinachsen und Beweglichkeit. Zusätzlich können spezielle Röntgenaufnahmen oder eine genaue Beinlängenmessung notwendig sein.
Behandlung: Je nach Alter, Ursache, Wachstumspotenzial und Ausmaß kommen Beobachtung und regelmäßige Kontrollen, Schuherhöhungen oder Einlagen, Physiotherapie, eine temporäre Epiphysiodese nach Canale (bei der die Wachstumsfugen des längeren Beines blockiert werden, sodass das kürzere Bein aufholen kann), operative Verlängerungsverfahren oder Umstellungsosteotomien bei zusätzlichen Achsfehlstellungen in Frage. Gerade bei Kindern ist eine frühzeitige Beurteilung wichtig, um das weitere Wachstum richtig einschätzen zu können.
Einwärtsgehen und Auswärtsgehen beim Kind
Rotationsfehlstellungen zählen zu den häufigsten Gründen für eine kinderorthopädische Vorstellung. Eltern bemerken häufig, dass die Füße beim Gehen nach innen oder außen zeigen oder dass ihr Kind häufig stolpert. Viele dieser Veränderungen sind altersentsprechend und korrigieren sich spontan im Wachstum.
Ein Innenrotationsgang (Einwärtsgehen) kann verschiedene Ursachen haben:
- Eine verstärkte Vorwärtsdrehung des Oberschenkelknochens (Femurantetorsion)
- Eine verminderte Auswärtsdrehung des Schienbeins (Tibiatorsion)
- Eine übermäßige Einwärtsneigung der Füße (Metatarsus adductus)
Diese Torsionen verändern sich charakteristisch im Laufe der Entwicklung: Die Femurtorsion beträgt bei der Geburt 30 bis 50 Grad und reduziert sich bis zum Alter von 14 Jahren auf etwa 10 bis 25 Grad. Die Tibiatorsion beginnt bei der Geburt mit 0 Grad und nimmt bis zum Alter von etwa 8 Jahren auf 25 bis 40 Grad zu. Das bedeutet: Das Einwärtsgehen ist in den meisten Fällen nicht besorgniserregend und verbessert sich mit dem Wachstum von selbst.
Wann sollte untersucht werden? Eine Abklärung ist sinnvoll bei deutlicher Asymmetrie, Schmerzen, häufiger Sturzneigung, zunehmender Fehlstellung, Einschränkungen im Alltag oder Sport sowie bei fehlender Verbesserung im Wachstum.
Untersuchung und Behandlung: Ich untersuche das Gangbild, die Beinrotation und die Beweglichkeit der Gelenke. In den meisten Fällen reicht Beobachtung und Verlaufskontrolle aus. In milden Fällen kann Physiotherapie das Gangbild verbessern. Nur selten ist eine operative Korrektur notwendig, etwa wenn das Kind häufig stolpert, unter Leidensdruck oder Schmerzen leidet oder Asymmetrien bestehen. Eine Korrektur des Schienbeins ist ab einem Alter von etwa 8 Jahren möglich, eine Korrektur des Oberschenkelknochens ab etwa 14 Jahren.
Eine genaue Abklärung durch den Kinderorthopäden ist wichtig, um den individuellen Verlauf und die Notwendigkeit einer Behandlung zu beurteilen.
Häufige Fragen
Sind X-Beine bei meinem Kind normal?
In den meisten Fällen ja. Zwischen dem zweiten und sechsten Lebensjahr sind X-Beine ein normaler Entwicklungsschritt. Eine Abklärung empfehle ich, wenn die Fehlstellung sehr stark ausgeprägt ist, einseitig auftritt, nach dem sechsten Lebensjahr bestehen bleibt oder Ihrem Kind Beschwerden bereitet.
Mein Kind geht einwärts: Muss ich mir Sorgen machen?
Ein Einwärtsgang ist bei Kleinkindern häufig und in den allermeisten Fällen harmlos. Die Ursache liegt meist in einer vermehrten Innendrehung des Oberschenkelknochens, die sich mit dem Wachstum von selbst korrigiert. Ich empfehle eine Untersuchung, wenn das Einwärtsgehen nach dem achten Lebensjahr noch deutlich sichtbar ist oder Ihr Kind dadurch häufig stolpert.
Übernimmt die Krankenkasse die Kosten?
Als Wahlärztin erstelle ich eine Honorarnote, die Sie bei Ihrer Kasse einreichen können. Diese erstattet in der Regel einen Teil zurück. Mit privater Zusatzversicherung werden die Kosten je nach Vertrag teilweise oder vollständig übernommen.
Weitere SCHWERPUNKTE
Neben diesem Schwerpunkt umfasst mein Leistungsspektrum unter anderem:

Dr. Katharina Oder
Fachärztin für Orthopädie und Traumatologie, Schwerpunkt
Kinderorthopädie
Telefon: +43 681 815 313 54
E-Mail: kinder@orthopaedie-oder.at
Nach Terminvereinbarung
Akuttermine möglich